Die Kirchen der evangelischen Gemeinde in Weißenfels
Marienkirche Die barocke Marienkirche im
Zentrum der Stadt ist die größte Kirche in Weißenfels. Von Weitem ist
sie zu sehen und dient als Orientierung auf dem Weg zum Markt, zur
Jüdenstraße oder zum Rathaus. Viele Menschen haben hier einen Ort
gefunden für Gebet, Musik und zum Hören des Evangeliums. Wir
feiern ab Ostern bis zum Ewigkeitssonntag regelmäßig Gottesdienst um
10.15 Uhr - außer am letzten Sonntag im Monat, wo wir in der
Lutherkirche in der Gustav-Adolf-Straße zusammen kommen. Im Winter
wird die nicht heizbare Kirche ebenso wie im Sommer für Besucher
geöffnet. Besondere Anlässe verlangen besondere Orte und so ist
die Kirche auch im Winter offen für Konzerte (besonders im Advent) oder
für Gottesdienste (Heilgabend). Jeden Dienstag können Besucher die
Ladegast-Orgel im Vollklang erleben. Bei der "Musik zur Marktzeit"
spielt Uwe Klußmann regelmäßig die Orgel und führt Werke aus
verschiedenen Jahrhunderten auf.
700 Jahre Stadtkirche St. Marien zu Weißenfels
Festschrift zum Kirchweihjubiläum am 14. September 2003 Hg. von Mathias Köhler
im Auftrag der Evangelischen
Kirchengemeinde Weißenfels
Verlag Ille & Riemer
Leipzig; Weißenfels 2003
15 × 22 cm, 95 S., EUR 9,80
ISBN 978-3-936308-44-0
(erhältlich auch im Gemeindebüro, Kirchgasse 3)
GESCHICHTE (von Volker F. Heßler) 1301-1303
wurde diese Kirche erbaut, nachdem die Vorgängerin - vermutlich eine Holzkirche - für Weißenfels zu klein geworden war. Die
Einweihung der Marienkirche im Jahre 1303 wurde durch Bischof Bruno IV. von Zeitz und Naumburg vollzogen und war ein
großes Ereignis. Die Chronik berichtet ausführlich über den Verlauf der
Kirchenweihe und das anschließende Festmahl im Rathaus. In der alten Sakristei
befindet sich noch ein mit gotischen Majuskeln (Großbuchstaben) versehener
Stein, der die Einweihung 1303 bezeugt. Die Übersetzung des lateinischen Textes
lautet: "Im Jahre des Herrn 1303 am darauf folgenden Sonntag nach der
denkwürdigen Kreuzeserhöhung ist die Kirche geweiht worden". Allerdings
wurde dieser Stein bei späteren Renovierungsarbeiten in Unkenntnis der Schrift
so eingebaut, dass die Buchstaben nun auf dem Kopf stehen. Die Kirchenmauern
sind aus Weißenfelser Sandsteinquadern gebaut. Nur der untere Teil des Turmes
besteht aus Feldsteinen.
Ein Ereignis ganz anderer Art bezeugt eine Inschrift an der Außenwand
links neben dem Nordportal. Vor einigen Jahren wurde daneben eine Holztafel mit
der Übersetzung des lateinischen Textes angebracht: "Im Jahre des Herrn
1350, das ist in einem Jubeljahr, sind Geißler (hier) gewesen und die Juden
verbrannt worden".
Um
1348
hatte die Pest im Land gewütet. Es wurde behauptet, die Juden wären daran
schuld gewesen, weil sie die Brunnen vergiftet hätten. Die Folge waren
entsetzliche Judenverfolgungen. Nicht nur in Weißenfels sind damals Juden auf
dem Scheiterhaufen verbrannt worden.
1374 zerstörte ein Großbrand Turm und Dach der Marienkirche. Im Jahre 1429 dann
brannte die ganze Südseite bis auf die Grundmauern und die Nordseite bis in die
Gewölbe-höhe ab. Um das Geld für den Wiederaufbau der Kirche zu beschaffen,
stellten zwanzig deutsche Bischöfe Ablassbriefe aus, die all denen die
Vergebung ihrer Sünden versprachen, die zum Wiederaufbau der Kirche etwas
beisteuerten. Dabei kam soviel Geld zusammen, dass die Kirche beim Wiederaufbau
um den Altarraum vergrößert werden konnte. Die Südmauer wurde bei diesen
Bauarbeiten nicht entsprechend der stehen gebliebenen Nordmauer errichtet. So
hat die Südmauer einen Strebepfeiler mehr als die Nordmauer und das Nordportal
liegt nicht genau dem Südportal gegenüber. Beide Portale aber werden von
sogenannten Eselsrücken überspannt, die in schönen Kreuzblumen auslaufen. Über
dem Südportal ist ein Christuskopf, über dem Nordportal eine Christusfigur zu
sehen.
Martin Luther soll 1518 auf dem Weg nach Augsburg und 1521 auf seiner Reise nach Worms in der
Marienkirche gepredigt haben. Beweise dafür sind jedoch nicht verfügbar. Der
Bau des Turmes wurde 1530 vollendet. 1639 beginnt Tobias Weller mit dem Bau der ersten Orgel. Das Mittelschiff überdeckt
seit
1660 ein hölzernes Tonnengewölbe. Die Ölgemälde an der Empore stammen aus der Zeit
um 1675. Sie zeigen biblische Szenen in der Umgebung von Saalelandschaften.
Auch die Kanzel stammt aus dem Jahr 1675. Der Träger stellt die gedrückte
Statue des Mose mit den beiden Gesetzestafeln dar.
Der große Altar wurde 1684 vom herzoglichen Hofbildhauer Andreas Griebenstein unter Beibehaltung des alten
steinernen Tisches errichtet. Das weiße Reliefbild zeigt Christus im Garten
Gethsemane. Besonders auffällig gestaltet sind die großen Gestalten Davids und
seines Lästerers Simei beiderseits des Reliefs. Die Inschrift im Medaillon über
dem Mittel-feld lautet: "Jesus weiß-roter Fels". Dahinter verbirgt
sich wahrscheinlich ein Hinweis auf das Abendmahl. Der Taufstein ist ein
Geschenk des Herzogs Johann Adolph I. aus dem Jahre 1684. Der Herzog soll für
dieses Kunstwerk 225 Taler gezahlt haben.
Der alte gotische Turm war um 1718 durch einen Brand zerstört worden. Doch recht bald konnte der neue barocke Turm
mit neuen Glocken geweiht werden.
Im Jahre
1862 wurde die Orgel von dem bekannten
Weißenfelser Orgelbaumeister Friedrich Ladegast errichtet, der zu jener Zeit
auch die in der Leipziger Nikolaikirche schuf. Die bunten Chorfenster sind
Stiftungen Weißenfelser Bürger aus dem Jahre
1899 und 1900. Sie zeigen Motive aus der Weihnachts-, Passions-, Oster- und
Pfingstgeschichte sowie die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und
Johannes.
Anlässlich der 600-Jahrfeier
1903 wurden die Standbilder von Martin Luther und Gustav Adolf aufgestellt. Nach
alten Berichten soll dort, wo früher die alte Kanzel stand, das Herz Gustav
Adolfs begraben liegen. Es fehlen hierfür jedoch eindeutige Belege. Im
Altarraum links über den Sakristei befindet sich ein mit Temperafarbe auf
Holztafeln gemaltes, aus dem 16. Jahrhundert stammendes, Altarbild aus der
ehemaligen Klosterkirche, welches das Jüngste Gericht darstellt.
1985 wurden die marode Bausubstanz der Kirche teilweise in Stand gesetzt. Im Jahre
2000 wurde die Kirche auf Grund ihrer kulturhistorischen Bedeutung zur "Kirche
des Jahres" ernannt, verbunden mit noch heute andauernden umfangreichen
Sanierungsarbeiten.
Lutherkirche Auch diese Kirche
konnte im letzten Jahrzehnt ein Jubiläum feiern. Die 1928 erbaute
Kirche zeigt sich nach außen hin stark sanierungsbedürftig. Wenn man
sie allerdings betritt ist noch etwas von dem alten Glanz und von der
Zeit in der sie gebaut wurde spürbar. Die Fenster sind hierbei ein
besonderes Kleinod. Sie allein lohnen einen Besuch, laden zum Verweilen
oder zu einer kirchenpädagogischen Begehung ein. Mit ihren leuchtenden
Farben und der bewusst sachlichen Gestaltung der Figuren einzelner
neutestamentlicher Geschichten bewegen sie Menschen zu besonderen
Formen der Andacht. Gottesdienste feiern wir in der Lutherkirche ab
Ostern bis zum Ewigkeitssonntag am letzten Sonntag des Monats oder zu
besonderen Anlässen. So wird das Gelände um die Lutherkirche für das
Sommerfest genutzt. Im Winter trifft sich die Gemeinde im Saal
unter der Kirche. Dort findet dann jeden Sonntag der Gottesdienst der
Gemeinde um 10.15 Uhr statt.
Turm der Lutherkirche in der Gustav-Adolf-Straße
GESCHICHTE (von Volker F. Heßler)
1898
erschien die Schrift von
Supintendent Dr. Lorenz "Die Kirchenarmut von Weißenfels." Hierin zeigt
Lorenz, dass die bestehenden Gotteshäuser der Stadt für die
26.000 evangelischen Bewohner für nicht ausreichend erachtet wurden.
Um diesem Mangel entgegenzuwirken, wurde noch im selben Jahr ein Kirchbauverein
gegründet.
1903
wurde der Kirchbauplatzes hinter dem städtischem Krankenhaus gekauft
und am 27. Februar 1906 erfolgte die Grundsteinlegung zur neuen
Kirche.1913 standen aus Spendengeldern bereits 37.000 Mark zur
Verfügung, die in der Folgezeit auf 140.000 Mark aufgestockt werden
konnten.
Da
die Gesamtkosten des Baues auf 200.000 Mark veranschlagt waren, durfte
nach ministerieller Verfügung noch kein Baubeginn erfolgen.
Doch der I.Weltkrieg und die Inflation verzögerte nicht nur den Baubeginn,
sondern verschlang auch sämtliche angesparten Mittel.
Die
Rettung für das Kirchenprojekt erschien im Jahre 1925 in Gestalt des Superintendenten
Moering, der den Kirchbaugedanken mit neuem Leben beseelte. Die finanziellen
Mittel beschaffte sich Moering bei einer Berliner Aktiengesellschaft. So
unterzeichnete er eine Schuldverschreibung vom 20. Juni 1927 in Höhe von 80.000
Goldmark. Nach dem Baubeginn von Kirche und Pfarrhaus im Jahre 1927 ging die
Arbeit rasch voran, so dass die Lutherkirche bereits ein Jahr später an der
Gustav-Adolf-Straße eingeweiht werden konnte.
In
der ersten Zeit wirkten die Kirchenräume des neuen Gotteshauses noch etwas
spartanisch. Großzügige Spenden für Orgel, Kronleuchter, Bilder, Geläut
und Kirchturmuhr wirkten auch im Inneren eine gottesdienstliche Atmosphäre.
Während
der Weißenfelser Belagerung am 13. April 1945 wurde die Lutherkirche
durch
heftigen Artilleriebeschuß an Glockenturm und Glocke stark beschädigt.
Die Glocke mit hohem kulturgeschichtlichen Wert wurde im Juli 1949
repariert
(geschweißt).
Doch
der Verfall des alten Gemäuers machte keinen Halt. 1950 beschrieb man den
schlechten baulichen Zustand der Kirche. Zwei Jahre danach entstand ein Plan
zur Umgestaltung der Grünfläche um Kirche und Pfarrhaus.
Im Jahre 1960 wird das
Glockenläuten von Hand, durch die Elektrifizierung der Anlage abgelöst. Ende
der 60'er Jahre gelingt nach großer Debatte, die ein Für und Wieder zum Inhalt
hatte, die Dachumdeckung. In dieser Zeit kommt auch eine Innenbemalung der
Kirche zustande.
1979 wird der Kirchenbau als baufällig eingestuft. Auch der
Turm war vom Zahn der Zeit heftig angenagt wurden. Doch im Zusammenhang mit dem
60 jährigen Jubiläum des Gotteshauses ging man in den Jahren 1985-87 wacker
gegen den weiteren Verfall vor. Der Turm wurde repariert und frisch abgeputzt,
den Innenräume verlieh ein neuer Anstrich Farbe und Frische, die Uhr erhielt
ein neues Werk, die Haupttreppe wurde neu verlegt sowie fachgerechte
Blitzschutzarbeiten und Trockenlegung der Westseite des Kirchenschiffes
durchgeführt.
Auch die Zukunft wird immer wieder neue Aufgaben des weiteren Bauens und
Verschönens bringen. So möge unsere Lutherkirche, welche 2008 ihr 80jähriges
Bestehen beging, uns und unserer Nachwelt in dem Glanz, in dem sie einst unsere
Vorfahren bauten, erhalten bleiben.
Laurentiuskirche & Pflegeheim
Dankandacht zur Einweihung der sanierten Fenster in der St. Laurentiuskirche am 14. Mai 2011 (von Gisela Bevier)
Am 14.5. füllte sich die kleine Kirche in der Weißenfelser Neustadt, die gleichzeitig als Museum zum Leben und Wirken des Orgelbaumeisters Friedrich Ladegast berichtet. In der Zeit von 2010 bis 2011 wurden durch die Hilfe von Spenden alle Fenster der St. Laurentius-Kirche saniert. Der Glasmeister Hans Schäfer aus Querfurt hat diese Sanierung ausgeführt und unsere Kirche in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Viele fleißige Helfer des Freundeskreises, des Ladegastvereins und die Gemeindearbeiter der evangelischen KIrchengemeinde Weißenfels haben im Vorfeld dazu beigetragen, dass nicht nur die Fenster strahlen, sondern das gesamte Umfeld im Kirchenraum. Herr Robert Müller hat seine "Königin" zum kllingen gebracht und so die im Original erhaltene, sanierungsbedürftige Orgel erklingen lassen. In der Dankandacht hat Herr Pfarrer Schmelzer allen Spendern, aber besonders Gott gedankt, der uns leitet und führt, unsere Beziehungen guten Zwecken zuzuführen. Der AUsblick auf weitere erforderliche Baumaßnahmen gemeinsam mit dem anliegenden Pflegeheim und seinem Träger, dem "St. Laurenitus e.V.", lassen uns alle hoffen, dass die kleine St. Laurentiuskirche ein Leuchtturm in der Neustadt wird. Es sei nochmals allen Beteiligten gedankt, besonders den Geldgebern Herrn Prof. Dr. Dr. Lassmann, der Dr. Christian Künzer Stiftung, Frau Veronika Domke, Frau Bettina Erfurth und Familie Zeisig.
Geschichte und Gegenwart (von Volker F. Heßler)
1269 ließ
Markgraf Dietrich der Weise (1242-1285) am linken Saaleufer neben der Brücke
ein Hospital mit einer Kapelle „ ... zur Ehre des allmächtigen Gottes und der
allerheiligsten Maria, zur Erquickung und zur Tröstung armer Schwacher...“
(Chronik Gerhardt) erbauen. Dietrich der Weise war Markgraf des Osterlandes,
dem Ostteil des damaligen Thüringen. Er nannte sich selbst Dietrich von
Landsberg (Landsberg bei Halle/Saale).
1272 wurde das Hospital, dessen Zweck von Anfang an die
Pflege Armer und Schwacher war, eingeweiht. Ob dieses Hospital schon den Namen
Laurentius trug, ist nicht nachweisbar. „Dieses Hospital erstreckt sich auf 20
Personen, männ- und weiblichen Geschlechts, welche ihre festgesetzte Hospital-
, Bet- und Lebensordnung, auch einen sogenannten Spitalvater, der auf ihr Tun
und Lassen Acht geben muss, haben. Es ist auch in diesem Hopsital eine Kirche
oder Kapelle, nebst zwei kleinen Glocken, befindlich, darinne der Subdiakonus alle
14 Tage Predigt hält, auch zu gewisser Zeit Beichter sitzt und Abendmahl
reicht. Hinter dem Hause ist ein großer umzäunter Garten und neben demselben
der Gottesacker“ (Chronik Otto). Kurz nach der Einweihung wurde das Hospital der Stadt Weißenfels übergeben.
1310 befreite Markgraf Friedrich I. (gest. 1324) das
Hospital von allen Steuern und Beden (Abgaben im Mittelalter), die es für
erhaltene Zuwendungen und Güterschenkungen zu zahlen hatte. Diese
Abgabebefreiung wird 1337 von Friedrich II. bestätigt. Trotzdem war der
Fortbestand des Hospitals um 1400 aus finanziellen Gründen gefährdet. Um das
Hospital, und somit die Pflege Alter und Schwacher zu erhalten, gewährte am
1.Mai
1401 der
Bischof von Merseburg (ein geborener Graf von Holmstein) allen denjenigen, die
dem Hospital und der dazugehörigen Kapelle des heiligen Laurentius - in dieser
Urkunde wird zum 1. Mal das Hospital als Laurentius-Hospital benannt -
reichlich Gaben und Almosen spenden, einen Ablass (Nachlassung zeitlicher
Sündenstrafen durch die Kirche vor der Reformation) von 40 Tagen. Diese Zusage
des Bischofs zeigte Früchte. Durch Schenkung und Vermächtnisse konnte sich das
Hospital wirtschaftlich sanieren und selbständig existieren.
Im Vergleich mit den 2 Hospitälern der Stadt (dem St. Nicolas-Hospital, einem Hospital für Frauen in der
Naumburger Straße/Ecke Waltherstraße und dem St. Jakobs-Hospital, welches ein Hospital für
rechtschaffene arme Pilger und Kranke zur Zeit des Sterbens war) wurde das Laurentius-Hospital das "reiche Spittel" genannt, das sich
auch in schwersten wirtschaftlichen Zeiten erhalten konnte.
Soweit die urkundlich belegbaren Forschungsergebnisse zur Entwicklung des
Hospitals bis zu diesem Zeitpunkt. Wäre da nicht eine Randnotiz des
Weißenfelser Superintendenten Thörmer (der 1632 verstarb) in der Chronik von
Krause, die sich wohl auf eine Erzählung, die im Weißenfelser Volksmund
kursierte, stürtzte, die aber bisher durch keine Urkunde bestätigt werden
konnte. Nach dieser Erzählung sei das Hospital eine Stiftung eines Edelmannes, namens
Lorenz aus Jaucha bei Hohenmölsen. Dieser Lorenz wechselte seinen Wohnsitz, zog
nach Weißenfels und soll wohl jenseits der Saale (linkes Saaleufer) an der
Brücke einen halbverfallenen Gutshof gekauft und diesen später in ein Hospital
umgebaut haben. Dieses Hospital sei dem heiligen Laurentius gewidmet worden.
Zuweilen hört man aber auch, dass dieser Edelmann nicht Lorenz, sondern
Laurentius hieß, und das Hospital nach ihm benannt worden sein soll.
Nachfolgende Chronisten beachteten zwar die Randnotiz des Superintendenten
Thörmer, da sie aber keine Zeitangaben enthält und auch urkundlich nicht
belegbar ist, wertet man sie weiterhin als Erzählung des Weißenfelser
Volksmundes. Um der Historie gerecht zu bleiben, stütze ich mich bei meinen
weiteren Ausführungen auf vorhandene Urkunden und Fakten.
1487 wurde eine große Glocke für das Hospital gegossen. 1570 erhielt das Hospital aus dem Nachlass der
vorstorbenen letzten Äbtissin des St. Claren-Klosters Weißenfels, Margarethe von
Watzdorf, jährlich 2 ½ Gulden zur Betreuung des Hospitalisten.
1571 wurde das vor 300 Jahren erbaute Hospital wegen
Baufälligkeit abgerissen und an gleicher Stelle ein neues Hospital mit einer
eingebauten Kapelle errichtet, welches am 24. Oktober
1574 seiner Bestimmung übergeben wurde. Die
Hospitalkapelle hatte einen dreiteiligen Flügelaltar. Auf den beiden Türflügeln
waren aus Holz geschnitzte Heiligenfiguren des Laurentius und Sebastian
angebracht.
1641 Schlimme Zeiten erlebte das Hospital im dreißigjährigen
Krieg, besonders, als die Schweden es als Quartier benutzten und fast
vollständig zerstörten.
1655 stiftete Heinrich Schütz für die Hospitäler eine
Schenkung von 100 fl./Gulden, von den jährlichen Zinsen von 5 fl. sollten und
erhielten das Laurentius-Hospital 2 fl. und das Nicola-Hospital 3 fl. pro Jahr.
1683 war das Hospital finanziell soweit abgesichert,
dass die Schäden des dreißigjährigen Krieges durch eine gründliche Erneuerung
beseitigt werden konnte.
1719 erhielt die Kapelle "das Kirchlein" auch
eine neue Glocke, da die 1487 eingeweihte Glocke durch einen Sprung ihren Klang
verloren hatte.
1724 in der Weißenfelser Herzogszeit (1657-1746)
veranlaßte Herzog Christian (1712-1736), dass "das Kirchlein" eine
Empore erhalte, um mehr Raum zur Anhörung göttlichen Wortes zu haben.
1757 hinterließ auch der siebenjährige Krieg seine
Visitenkarte. Einige Kanonenkugeln verirrten sich in der Hauswand des
Hospitals, als der "alte Fritz" die fliehenden Franzosen verfolgte.
1824 wurde "das Kirchlein" erneuert. Urkunden
erwähnen wiederum einen Flügelaltar, doch diesmal etwas präziser: Ein
Flügelalter mit Maria als Himmelskönigin, flankiert von zwei Jungfrauen mit
Schwert und Buch. Gerahmt wird dieses Mittelfeld von Sebastian auf dem rechten
und Laurentius auf dem linken Seitenflügel des Altars.
1844 mit dem Beginn des Baues des Eisenbahnlinie
Halle-Merseburg-Weißenfels war es mit der Ruhe und Beschaulichkeit des
Hospitals vorbei. Nicht nur das Land der langjährigen Weinberge wurde z.T.
eingeebnet, auch das Hospital stand auf dem vorgesehenen Gelände für den zu
erweiternden Schienenstrang für die Thüringer Eisenbahnlinie und so musste es
nach 600-jährigem Bestehen 1878 abgerissen werden. Der Flügelaltar wurde dem
Weißenfelser Museum übergeben. Für ein neu zu erbauendes Laurentius-Hospital
kaufte die Stadt weiter oberhalb in der Merseburger Straße ein größeres
Grundstück.
Am 6. Juli
1877 erfolgte die Grundsteinlegung und schon 1 Jahr
später, am 29. August
1878 konnte das neu erbaute Hospital Sancti Laurentii
einer Betimmung übergeben werden. Allerdings war es nicht gleich in seiner
jetzigen Größe errichtet worden. Zwischen ihm und dem nördlichen
Nachbargrundstück war anfangs noch eine kleine Lücke, die um
1905 durch den Einbau weiterer Hospitalitenstübchen
geschlossen wurde. Davor wurde später noch die Glasveranda in dem Vorgarten
erbaut. Dieser neuer Hopsitalkomplex hatte eine Kapazität bis zu 35 Personen.
Gemeinsam mit dem Neubau des Hospitals entstand auch die angrenzende
Hospitalkirche. Jedoch nutzbar nur für die Hospitalbewohner (Hospitalisten),
die ihre Kirche vom Heim aus durch je eine Tür im Schiff und auf der Empore
betreten konnten. Die Andachten in dieser Kirche hielt der im Jahre 1887 in
Weißenfels eingestellte Subdiakonus Gerhardt, der auch der Verfasser der
Chronik "Geschichten der Stadt Weißenfels" (Herausgabe 1907) ist.
Nur in Ausnahmefällen und mit Genehmigung des Magistrates der Stadt fanden in
der Hopsitalkirche Trauungen, Taufen und Konfirmationen der 10.000 Christen
zählenden Neustädter Kirchengemeinde mit eigenem Pfarrer statt; denn die Kriche
war Bestandteil des Hospitals und befand sich mit diesem nach wie vor unter dem
Patronat (Vorrecht) des Magistrates der Stadt Weißenfels. Außerdem gehörten die
Bewohner der Neustadt zum Einzugsgebiet der Marienkirche der Altstadtgemeinde.
1950 wird die Oscar-Ladegast-Orgel überholt. Nachdem
sich alle Pläne zum Bau einer eigenen Kirche immer wieder zerschlagen hatten,
1964 erwarb die Neustadtkirchengemeinde im Tausch gegen
das Grundstück Gabelung Merseburger/Tagewerbener Straße das Grundstück der
Hospitalkirche von der Kommune Weißenfels. Von nun an steht die Hospitalskirche
auf kirchlichem Grund und Boden und ist Eigentum der Neustadtkirchengemeinde.
1985 ging das Hospital aus der Kommune (dem Patronat)
der Stadt Weißenfels in die Trägerschaft der zentralen Heimverwaltung über.
1992 hat der neugegründete "Diakonische Verein St.
Laurentius Weißenfels e.V." die Trägerschaft über das Alten-und Pflegeheim
übernommen. Dazu wurden mit dem Landkreis Weißenfels ein Übernahme- und ein
Erbbaupachtvertrag abgeschlossen.
Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde festgestellt, dass dieses Heim nicht den
Standards der Bundesrepublik entspricht und deshalb entsprechende Veränderungen
erforderlich sind. So mußte der Vorstand, unter fachkundiger Beratung durch das
Diakonische Werk Magdeburg, in dem der Verein auch Mitglied ist, sich zu einem
Neubau- und Ausbau entschließen.
Seit Dezember
1998 leben die
40 Bewohner und arbeiten die 19 Mitarbeiter wieder im neu gestalteten und
renovierten Pflegeheim in der Merseburger Straße/ Hospitalstraße. Es entstanden
28 Einzelzimmer, davon vier behindertengerechte Einzelzimmer und 12
Zweibettzimmer. Der mit Grünpflanzen und Blumen ausgestaltete Innenhof lädt zur
Beschaulichkeit und Besinnung ein. Die Heimleitung ist ständig daran
interessiert, den Heimbewohnern das Leben angenehm und abwechslungsreich zu
gestalten, so z. B. durch musikalische Nachmittage, Lese- und Spielstunden,
Bewegungsübungen, Gedächtnistraining und kulturelle Darbietungen durch
engagierte Chöre und Kulturgruppen. Wöchentlich wird eine kirchliche
Wochenschlussandacht gehalten. Ein besonderer Höhepunkt in jedem Jahr ist der
Laurentiustag, zum Gedenken an Laurentius, dem zu Ehren das Hospital und die
Kirche benannt wurde.